Baumfrevel mit Ansage

Baumfrevel am Plan

Wieder einmal haben in Arnstadt die Kettensägen vollendete Tatsachen geschaffen: Am Montagmorgen wurden in kurzer Zeit sämtliche Linden an der Süd- und Ostseite des Schulgeländes Am Plan abgeholzt. Hintergrund für diese radikale Fällaktion sind die seit Monaten andauernden Arbeiten an der betonierten Einfriedung des Schulgeländes. Nachdem an der Westseite des Platzes sich noch redlich abgemüht wurde, um den vorhandenen Baumbestand nicht zu schädigen, machte man hier nun kurzen Prozess. Genehmigt wurde diese Vernichtung wertvollen Grüns innerhalb der Altstadt im zweiten Anlauf vom zuständigen Ausschuss der Stadtverwaltung. Offensichtlich reicht es immer wieder aus, dass ein „Baumexperte“ den vermeintlich maroden Zustand eines Baumes bildhaft beschreibt um die Kettensägen rasseln zu lassen.
In diesem Fall waren die Bäume jedoch kerngesund, kein Anzeichen, dass ihr Stand gefährdet sei oder sie ein zu hohes Alter erreicht hätten. In voller Blüte stehend wurden sie einer Stahlbetonkonstruktion geopfert, die in Zukunft den benachbarten Schulhof begrenzen soll. Schattige Plätze wird es auf dieser Seite des Platzes dann nicht mehr geben, aber die Kinder können sich ja hinter dem Gebäude aufhalten wenn die Sonne scheint.
Und – dann würde man sie auch nicht mehr in der Stadtverwaltung hören. Ruhet sanft…

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht’s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert. (Eugen Roth – Der Baum)

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5 Gedanken zu “Baumfrevel mit Ansage

  1. Andrea Engelmann says:

    Wie traurig sieht nun die Kohlgasse aus. Ich fand es schön, aus dem Fenster zu schauen und auch etwas Grün zu sehen. Es ist eine Schande, dass diese Bäume gefällt wurden. Traurig!

  2. Helga Marz says:

    Auf dem Papier werden jedes Jahr „tolle“ Umweltprojekte von vielen Fachleuten/Pädagogen ….für SchülerInnen entwickelt- bunt bebildert
    …pädagogisch sehr wertvoll!!!
    Viele Projekte…für jeden Jahrgang, für jede Schulart, für Klassenfahrten,für Projekttage, für Schulgarten, für die Ferien usw. usw. usw…..
    Mit teilweise großem Aufwand werden stets neue „Projekte“ umgesetzt.

    Im Lebensumfeld, im Alltag, direkt auf dem Schulhof
    ist „Natur“für die Verantwortlichen nur lästig….und störend!

    Es werden Beton-Welten geschaffen….
    der Schulhof wird ordentlich und sauber….

    …WO und Wann können Kinder/Jugendliche, die in der Stadt aufwachsen, im ALLTAG Achtung und Respekt vor der
    Natur lernen und erfahren, vom sorgfältigen Umgang mit ihr???

    Nur auf buntem Papier????

    Was lernten und erlebten die Kinder am letzten Montag,
    als auf diese Weise wertvoller Baumbestand radikal entfernt wurde?

    Die Schule ist ihr Lern-und Lebensort!

    Mit Empörung
    Helga Marz

  3. Ulrich Scholze says:

    Ich bin entsetzt und wütend! Einen gesunden Baumbestand wie den gewesenen am Schulplan radikal zu vernichten, dafür gibt es keinen wirklichen Grund, das ist bei ehrlicher Betrachtung glaube ich auch jedem klar. Alles was ich den offiziellen Erklärungsversuchen entnehme sind Verantwortungsschiebereien, Scheinargumente und der unangenehme Eindruck von Unvermögen wenn nicht gar Ignoranz an entscheidenden Stellen von Stadt und Kreis.
    Vom erwähnten Fachberater würde ich mir gern einmal die Krankheitsursache „falscher Schnitt im Kronenbereich zu DDR Zeiten“ (TA v. 01.06.) erklären lassen. Ich hatte damals möglicherweise auch den falschen Schnitt, so was verwächst sich aber im Allgemeinen ganz gut. Die Baumkronen wurden jedenfalls vor nicht all zu langer Zeit fachgerecht zurück geschnitten und haben sich seitdem prächtig entwickelt, Frische und Schatten gespendet und dem historischen Ensemble am Plan seine besondere Attraktivität verliehen.
    Wie auch immer, es bleibt ein Schmerz in der Brust – für den Schulplan ist es jedenfalls zu spät. Bleibt zu hoffen, dass nicht unbemerkt als nächstes die Friedenseiche am Pfarrhof ins Visier von Sachlichkeitsfanatikern mit Funktion gerät.

  4. Ich wohne auch in dieser Gegend und bin richtig entsetzt wie kahl und trostlos es nun ausschaut.
    Jetzt sind die Bäume weg, in einem Jahr wird sich dann über die starke Sonneneinstrahlung auf dem Schuhlhof beschwert, …. also muss ein künstlicher Sonnenschutz gebaut werden.Alles sehr clever, oder?
    Jetzt habe ich auch gehört das es nun der Friedenseiche am Pfarrhof an den Kragen bzw an den Stamm gehen soll.
    Weil Personen die sich dort ausruhen doch von herunterfallenden Ästen erschlagen werden könnten, ist noch nie etwas passiert aber rein theoretisch könnte so etwas passieren.
    Warum holzen wir nicht gleich den ganzen Thüringerwald ab denn auch dort könnten Wanderer auch von Ästen getroffen oder sogar über Wurzeln stürzen, oh mein Gott die Natur ist unser Feind vernichtet sie.
    Wie wäre es in dem Falle der Friedenseiche für ein Warnschild etwas in der Art „Vorsicht das Sitzen unter alten, unter Naturschutz stehenden,Bäumen kann ihrer Gesundheit schaden!“
    oder “ Vorsicht Bäume können töten!“

    • Ich muss meinen vorhergehenden Kommentar berichtigen.Ich habe mich bei der Stadtverwaltung nochmals zu dem Fall „Friedenseiche“ befragt und doch mal eine positive Nachricht bekommen.Dieser Baum bleibt Arnstadt erhalten.