Bürgermeisterkandidaten im Internet

Am 22. April wird in Arnstadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Wenige Tage vor der Wahl haben wir uns angesehen, wie sich die Kandidaten im Internet darstellen, ob und wie sie ihre Programminhalte und Visionen den Wählern im Web bekannt machen und näherbringen können. Dabei wird schnell deutlich, dass längst nicht alle mit den Neuen Medien (so neu sind sie ja gar nicht mehr) vertraut sind und ihre Bedeutung ganz unterschiedlich einschätzen.

Alexander Dill

Der parteilose Kandidat Alexander Dill (48 Jahre) hat etwa 8 Wochen vor der Wahl seine Webseite in moderner Farbgebung veröffentlicht und will mit ihr „frischen Wind in eine alte Stadt“ bringen. Ausführlich legt er seine Leitbilder, Ziele und Visionen dar, teilweise recht unkonventionell und mit überraschend neuen Ideen. Auf der Seite finden sich vielfältige Informationen zu aktuellen Terminen und neuen Meldungen aus der lokalen Presse.
Integriert wurde ebenfalls ein Blog, der eine unkomplizierte Kommentarfunktion für den Leser ermöglicht, daneben können die Artikel in Facebook empfohlen werden.
Eine Facebook-Seite wurde eingerichtet, auf der weitere aktuelle Postings gefunden werden können. diese werden dann auch auf der Website in einer Box angezeigt.
Während der vergangenen Wahlkampfwochen informierte Alexander Dill seine Unterstützer mit regelmäßigen Newslettern, Uneingeweihte suchen allerdings nach einer Anmeldemöglichkeit auf der Webseite vergeblich, da hilft dann nur der direkte Kontakt per Mail oder Telefon.

Christian Hühn

Als Kandidat für die SPD bewirbt sich Christian Hühn (39 Jahre) um das Bürgermeisteramt. Seine Webseite, die auf dem Standard-SPD-CMS aufbaut, wirkt auf den ersten Blick übersichtlich und aufgeräumt, die violette (oder bordeaux?) Farbe hebt sich auffällig von den herkömmlichen Partei-Seiten ab. Auch hier sehr ausführliche Programminformationen und viel Text, der sich allerdings durch die bloße Aneinanderreihung schwer bis zum Ende lesen lässt.
Über Aktuelles zum Kandidaten kann man sich unter dem Menüpunkt „Termine“ informieren, eigene aktuelle Meldungen sind mit dem RSS-Feed der Thüringer SPD auf der Startseite kombiniert, gehen daher allerdings leicht unter. Andererseits profitiert die Seite durch die regelmäßigen News der Landes-SPD.
Um mit dem Kandidaten ins Gespräch zu kommen, werden nur die herkömmlichen Wege angeboten, wenigstens gibt es ein einfaches Kontaktformular. Kommentarfunktionen o. ä. sind nicht aktiviert.
Auf Facebook betreibt Christian Hühn eine stark frequentierte Profilseite, auf die man aber nur Zugriff bekommt, wenn man bei Facebook angemeldet ist. Wünschenswert wäre an dieser Stelle eine echte Fan-Page.

Frank Kuschel

Als Kandidat der Linken ist Frank Kuschel (50 Jahre) ein „alter Hase“, zumindest was die Nutzung der neuen Medien angeht. Seine Website existiert seit einigen Jahren, wirkt von den Farben und dem strukturellen Aufbau allerdings auch etwas in die Jahre gekommen, ist jedoch vollgestopft mit allen möglichen Informationen zu den vielfältigsten Themen der Stadt-, Kreis- und Landespolitik. Damit einher geht, dass man schnell den Überblick und die Orientierung verliert, andererseits hat diese Seite als einzige aller Kandidatenseiten einen akzeptablen Google-Pagerank (3). Kommentarfunktionen oder selbst ein einfaches Kontaktformular sind leider nicht vorhanden, lediglich Mailadresse und Telefonnummer finden sich unter Kontakt.
Seine Aktivitäten entfaltet Frank Kuschel dagegen in Medien wie Twitter und Facebook, wer ihm dort folgt, ist immer bestens im Bilde, was der Kandidat gerade unternimmt. Neben seiner privaten Profilseite betreibt er dort auch eine Seite als Kandidat, diese ist jedoch nur zugänglich, wenn man bei Facebook eingeloggt ist.

Georg Bräutigam

Als letzter Kandidat hat Georg Bräutigam (56 Jahre) in den ersten Apriltagen seine Website aktualisiert und auf der Startseite eine kurze Ansprache an seine Wähler veröffentlicht. Optisch wirkt sie auf den ersten Blick etwas moderner, wenn man sich jedoch an ihre Vorgängerin erinnert, erkennt man, dass die meisten Texte einfach nur kopiert wurden, mit allen Fehlern und Sonderheiten. Es handelt sich dabei um eine rein statische Website mit einer eingebauten Jalousie-Animation, die die Seite dynamischer erscheinen lassen soll. Interaktive Elemente, Kommentarfunktionen oder gar nur ein Kontaktformular sucht man vergeblich. Es gibt keine Informationen für den Besucher zu aktuellen Ereignissen oder eventuellen Terminen im Wahlkampf.
Um den Kandidaten zu erreichen bleiben einem nur die Impressumsangaben. Dort ist dann doch noch eine Facebookadresse angegeben, allerdings die einer geschlossenen Facebookgruppe, zu der man nur auf Antrag Zutritt erhält, also doch nichts für den kommunikativen Wähler.

Knut Vettrich

Seit Mitte März kann man in Arnstadt die CDU leicht für die Grünen halten, die Plakate und der Webauftritt des CDU-Kandidaten Knut Vettrich (52 Jahre) hat sicher viele Leute überrascht, denn die allgemeinen CI-Vorgaben der CDU landes- und bundesweit gehen ja zur Zeit eher in Richtung türkis bis himmelblau. Unabhängig davon wirkt die professionelle Gestaltung sehr geschlossen und durchdacht, grün kommt eben immer gut an.
Was sehr angenehm auf der Seite des Kandidaten auffällt ist, dass ohne ellenlange Text und Phrasen kurz und knackig alle interessanten Informationen zu finden sind. Bei aktuellen Terminen beschränkt er sich auf das Nötigste, der Wähler erfährt dennoch, was ihn erwarten kann.
Kontaktaufnahme ist über ein unkompliziertes Formular möglich, nicht viel, aber ausreichend.
Auf seiner Website nicht zu finden, aber dennoch vorhanden ist die Facebookgruppe des Kandidaten, diesmal eine offene wie es sein sollte.
Da sollte die Arnstädter CDU sich mal eine Scheibe abschneiden.

Zusammenfassung:

A. Dill C. Hühn F. Kuschel G. Bräutigam K. Vettrich
Aktuelles Ja Ja Ja Nein Nein
Termine Ja Ja Ja Nein Ja
RSS Ja Ja Nein Nein Nein
Kommentare Ja Nein Nein Nein Nein
Kontaktformular Ja Ja Nein Nein Ja
Facebook Fanpage Profil Profil closed group open group
Twitter Nein Nein Ja Nein Nein
Pagerank 0 1 3 0 0

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4 Gedanken zu “Bürgermeisterkandidaten im Internet

  1. Petra Renger says:

    Irrtum: Es nützt einem nichts, bei Facebook angemeldet zu sein, wenn man auf den Facebookseiten von Christian Hühn oder Frank Kuschel kommentieren möchte. Man muß auch noch mit ihnen befreundet sein. Bei Frank Kuschel kann man immerhin noch lesen, aber nicht kommentieren, bei Christian Hühn ist nichtmal Lesen möglich. Transparenz und Bürgerbeteiligung ist eben leichter erwähnt als gelebt.

    • Ja, das ist das Problem, wenn man nur ein (privates) Profil bei Facebook betreibt. Deshalb gibt es ja die Fanpages, wie sie sich Alexander Dill eingerichtet hat. Allerdings hat F. Kuschel sein Profil recht offen, so dass du dort ebenfalls kommentieren könntest, auch wenn du nicht sein/e Freund/in wärst. Bei Christian Hühn und Kuschels Bürgermeisterprofil gebe ich dir recht, das hatte ich übersehen.

  2. Ich gehe mit (fast) allen Einschätzungen des Autors mit. Ein großes Problem habe ich jedoch mit der Aussage bei Knut Vettrich „dass ohne ellenlange Text und Phrasen kurz und knackig alle interessanten Informationen zu finden sind.“ … ohne Phrasen??? Das sind ausschließlich Phrasen! Wo steht denn bitte einmal eine konkrete Lösungsmöglichkeit? Nur Phrasen, allgemeine Stammtischparolen und nichts Konkretes! Für mich sehen „interessante Informationen“ anders aus. Und warum „kommt grün immer gut an“ (dann wären die Grünen ja wohl immer ganz vorn … sind sie aber nicht). Eher empfinde ich das als Verleugnung seiner Parteizugehörigkeit. Ich hoffe nur, dass die Wähler nicht auf Phrasen, Tassen, Blumen und überdimensionale Wahlwerbung herein fallen …

    • @arnbue, das mit „grün“ bezieht sich ausdrücklich auf die Farbe, denn grün gilt allgemein als positiv besetzt (Frühling, Natur,…). Dabei haben sich die Grünen nach der Farbe benannt, nicht die Farbe nach der Partei.
      Und ob man nun die angebotenen Texte als Phrasen abtut oder nicht, mir ging es bei der Einschätzung vor allem darum, zu zeigen, dass auch mit wenigen Worten Botschaften vermittelt werden können. Und meiner Meinung ist ihm das recht passabel gelungen, manch anderem weniger.